Aus der Geschichte Letelns



Besiedlung

In Leteln wurden verschiedene Bodenfunde gemacht, die auf die frühe Anwesenheit von Menschen hindeuten. An der Großen Trift wurde in den 1960er Jahren bei Bauarbeiten ein zerborstenes Steinbeil zutage gefördert. Die neben stehenden Steinbeile werden im Mindener Museum aufbewahrt. das linke wurde in Leteln gefunden. Es bestehen allerdings berechtigte Zweifel, ob sich Menschen ständig hier aufgehalten haben. Bronzezeitliche Siedlungsspuren wurden nördlich von Leteln am sog. Schoppenberg gefunden. Es handelt sich hier um eine Begräbnisstätte, die vom Landeskonservator in Bielefeld ergraben wurde. Eine kontinuierliche Besiedlung ist aber sicher erst seit dem frühen Mittelalter anzunehmen, obwohl archäologische Befunde dazu bisher fehlen.

Letreln Steinbeile Steinbeile, gefunden in Leteln (Mindener Museum)

Die Sage vom Schmied am Schoppenberg

Die Sage erzählt, dass einst am Schoppenberg ein Schmied gewohnt hat. Er war ein schweigsamer Geselle und die Menschen fürchteten sich vor ihm, aber er war ein guter Handwerker. Man brauchte nur die schadhaften Geräte abends vor seine Behausung legen und sie waren morgens fertig. Man durfte ihn nur nicht bei seiner Arbeit beobachten. So ging das viele Jahre, bis einmal ein Bauer seine Neugier nicht bändigen konnte. Er brachte eine schadhafte Egge und verbarg sich im Buschwerk, um den Schmied bei seiner Arbeit zu beobachten. Als der Schmied nun entdeckte, dass der Bauer sich nicht an die Abmachungen hielt, nahm er die Egge und schleuderte sie im hohen Bogen fort, dass sie in tausend Stücke zerbarst. Man hart ihn nie wieder gesehen.
Wahrer Kern an der Sage mag sein, dass es auf dem Schoppenberg eine Siedlung, oder sogar eine Schmiede gegeben hat. Sicher gab es dort ein Gogericht, dass später nach Frille verlegt wurde.

Erste Erwähnung von Leteln

In einer undatierten Urkunde aus der Sedenzzeit des Mindender Bischof Siegbert (1024-36) ist Leteln als „Litolon“ in Zusammenhang mit dem Gut zum ersten Mal erwähnt. Das Original der Urkunde ist verschollen, aber es gibt eine Abschrift in den Veröffentlichungen von Würdtwein. Stephan Alexander Würdtwein (1722 - 1796) war Weihbischof in Worms und ein bedeutender Kirchenhistoriker des 18. Jahrhunderts. Er hat alte Urkunden abschreiben lassen und in einer ungeordneten Reihenfolge zwischen 1771 und 1792 in insgesamt 26 Bänden zusammengefasst und veröffentlicht.
Hier befindet sich auch die Abschrift der Urkunde über das Gut in Leteln. [Würdtwein, Subsidia diplomatica ad selecta juris ecclesiastici Germaniae, VI, Heidelberg 1775, Nr. 177].

Das Gut Leteln

Das Gut Leteln mit allen Einkünften gelangte im 13. Jahrhundert aus dem Besitz der Mindener Bischöfe an die Grafen von Schaumburg, von denen z.B. die Mindener Patrizierfamilie Garssen die Letelner Liegenschaften und Einkünfte zu Lehen hatten. Die älteste erhalten Lehnsurkunde datiert vom 10. November 1388. Graf Otto I. von Schaumburg belehnt den Mindener Bürger Johann Garrsen mit dem Zehnten zu Leteln, dem halben Werder und einer Hofstatt, die vorher Johann Dalenkamp und Hinrich Badendorp besessen und dem Johann Garssen verkauft hatten. Die Lehnsurkunde ist hier abgebildet. Sie befindet sich im Niedersächsichen Landesarchiv, Staatsarchiv Bückeburg.

Leteln 1388 Belehnungurkunde von 1388 (Staatsarchiv Bückeburg)

Das Lehen beinhaltet nicht nur die Einkünfte und Ländereien, sondern auch das Recht auf der Weser eine Schiffsmühle anzulegen und in Leteln ein festes Haus, also ein befestigtes Gutshaus zu bauen. Der Fruchtzehnte ist von etwa 1000 Morgen Land zu liefern, dazu der Garten- und Fleisch- oder Blutzehnte.
Über den Zehnten und die Abgaben kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten und Streitereien. Der letzte Inhaber des Letelner Gutes war Freiherr von Oheim aus Enzen, der seine Einkünfte an Reinhard Christians aus Hahlen verpachtet hatte, einem Vorfahren des jetzigen Ortsheimatpflegers. Der Oheimsche Zehntschreiber war der Lehrer Bleeke aus Leteln Nr. 13, der am 1.1.1800 starb. Mit der Befreiung der Bauern und der Auflösung des Lehnswesens hörte auch das Letelner Gut auf zu bestehen. Die Ländereien waren schon länger veräußert worden. Als Relikt existierte noch die alte Zehntscheune, die in den Besitz des Bauern Rust Nr. 6 überging und in den 1920er Jahren abgebrochen wurde.

© für alle Fotos: Jürgen Sturma, Minden