Willkommen in Ohrnes



Ohrnes - Javoří - Ahorns (1320) - Jaworizze (1389) - Yaworzi (1554)



IMG_0958
Blick auf Ohrnes von Nordosten aus Richtung Chirles

Ohrnes liegt im Mürauer Bergland etwa 40 km nördlich von Olmütz in der Tschechischen Republik auf einer Seehöhe von etwa 550 m in einer leichten Talmulde. Im Keller des alten Gasthauses entspringt das Ohrneswasser, das den Ort durchfließt, mehrere Teiche füllt und dann dem Zapfental zufließt. Der tschechische Name ist Javoři und der Ort gehört heute zur Gemeinde Moletein (Maletín) im Kreis Mährisch Schönberg (Šumperk). Es gibt eine Busline von Müglitz (Mohelnice) über Kremetschau (Křemačov), Rippau (Řepova), Chirles (Krchleby) nach Alt-Moletein (Stary Maletín). Die Bewohner kommen meist aus den umliegenden Städten und verbringen nur die Wochenenden in Ohrnes. Es leben nur etwa 7 Personen ständig dort. In Alt-Moletein gibt es zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Gastwirtschaft und die Gemeindeverwaltung. In der Alt-Moleteiner Kirche St. Nikolaus werden wohl zur Zeit wenige Gottesdienste abgehalten, denn nach umfangreichen Außenrenovierungen wird nun der Innenraum Instand gesetzt. Zur Kirche in Alt-Moletein geht es
hier.

IMG_1989
Der neue Ortseingang aus Richtung Chirles

Der Ort liegt einer südexponierten Mulde des Berglandes und teilt sich in einen Ober- und einen Unterort. Die Bezirksstraße berührt den Oberort. Vor Kurzem wurde die Straße begradigt und führt nun nicht mehr durch den Ort, sondern daran vorbei, was wesentlich zur Verbesserung der Verkehrslage des Ortes beigetragen hat.
Die Seifertskapelle steht an der Straße von Ohrnes nach Alt-Moletein, am Fuße des Seiferthügels. Sie wurde vermutlich im 18. Jahrhundert errichtet und die Gemeinde hat sie 1934 und 2005 renovieren lassen. Den Namen hat sie von der Familie Seifert, die aus Kwittein stammte und 1747 den Bauerngrund Nr. 1 erwarb auf dessen Ländereien auch die Kapelle steht. Nach der Renovierung 1934 wurde die Kapelle St. Gotthard geweiht und hieß dann auch Gotthardspelle.
Der Ort wurde 1318 zum ersten Mal genannt [Lechner 1902]. Es war immer ein kleiner Ort, der nicht nur in der Zeit der Hussittenkriege, sondern auch im 30-jährigen Krieg sehr gelitten hat. Die Bevölkerung war nach dem großen Krieg von 24 auf 9 Familien zurückgegangen.
Kirchlich gehörte Ohrnes mit Chirles, Wojes, Alt- und Neu-Moletein, dem Wojeshof und dem Spittel-Gasthaus zur Pfarre nach Alt-Moletein. Die Kirchenbücher beginnen 1688 (Taufen) bzw. 1684 (Eheschließungen und Beerdigungen). Das älteste Grundbuch wurde 1731 angelegt.
In Ohrnes gab es neben dem Erbgericht eine Schankwirtschaft, die sich zuletzt im Haus Nr. 38 befand und in den 1950er oder 1960er Jahren geschlossen wurde.
1933 haben die Ohrneser Bewohner unter der Initiative und der Leitung des damaligen Schulleiters Emil Beier eine Bilderchronik herausgegeben. [Ohrnes 1933] Unter Mitwirkung von Rudolf Schneider wurde in den 1980er Jahren ein Heimatbuch für Ohrnes verwirklicht [Schneider]. 1956 entstand über Ohrnes eine tschechische Chronik, die vom Alt-Moleteiner Polizisten Karel Markowetz verfasst wurde und in Teilen auf der Bilderchronik fusst. [Markowetz 1956]
Das Kriegsende ging auch an Ohrnes nicht spurlos vorüber. Neben Plünderungen, tätlichen Angriffen und Übergriffen, Inhaftierungen und Verurteilungen zu langen Haftstrafen, wurden am 18. Mai 1945 der Gastwirt und seine Eherau bei einem Überfall auf ihr Gasthaus ermordet und die Leichen versteckt. Die gesamte deutsche Bevölkerung wurde 1946 vertrieben. Die Ohrneser und ihre Nachkommen leben heute hauptsächlich in Deutschland (Hessen, Bayern).


Hier geht es zur
Seite über Ohrnes beim Schönhengster Heimatbund mit einer kurzen Darstellung, Literaturhinweisen und einem Bildarchiv.

Die Fotos zeigen von links oben nach rechts unten: das Haus Nr. 20, das Haus Nr. 19, das Haus Nr. 6 und die Seifertskapelle vom Platz der ehemaligen Schule aus gesehen

Jürgen Sturma, Ortsberichterstatter

IMG_2007IMG_3224IMG_3251
IMG_4199IMG_4224

© für alle Fotos: Jürgen Sturma, Minden


counter